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Presseartikel

 
Montag, 06. Mrz 2017

«Was bleibt?» – Verschweisste Erinnerungen in Buchform

Finissage Im letzten Teil der Küefer-Martis-Huus-Ausstellung «Was bleibt? Leere – Sammeln – Konservieren» wurde das Konservieren wörtlich genommen: Der Dokumentationskatalog zur Ausstellung erschien in vakumiertem Celophan verschweisst.
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Hart wie ein Schneidbrett – weil im Vakuumpack von einer Liechtensteiner Grossmetzgerei verschweisst –, aber dennoch sichtlich ein kleines Buch, wenn man durch die transparente Hülle blickt: Keine Frage, die beiden jungen Grafikerinnen Melanie Schaper und Loana Boppart vom Studio Lametta hatten sich einiges überlegt, als sie die Begleitdokumentation zur Ausstellung «Was bleibt?» im Küefer-Martis-Huus in Ruggell gestalteten. Die Idee, das Thema «Konservieren» gleich haptisch umzusetzen, kostete die Ausstellungsmacher von «Was bleibt?» einige Tage Folierungsarbeit in einer Liechtensteiner Grossmetzgerei, denn die gesamte Auflage der 130- seitigen Ausstellungsdokumentation musste je einzeln verschweisst werden. Man könnte jetzt natürlich so einen käuflich erwerbbaren Katalog original verpackt zu Hause ins Regal stellen und wissen, dass dieser Bund Papier zwischen zwei Kartondeckeln für die nächsten 100 Jahre garantiert von keiner Motte angefressen wird. Man kann aber auch beherzt zu einem Taschenmesser greifen und das Celophan aufschneiden, weil man halt doch wissen will, was auf diesen 130 Seiten gedruckt ist.

Streng chronologisch verdichtet

Man wird dann beim Blättern im Katalog angenehm überrascht. Nicht nur vom angenehm locker gestalteten und damit gut lesbaren Textteil mit inhaltlich interessanten Beiträgen von verschiedenen Autorinnen und Autoren, von der ausgewogenen Texte-Bilder-Konstellation, von der durchgängigen schwarz-weiss-bräunlichen Patina auf hochwertigem Papier. Auch die strikt chronologische und ansteigend verdichtete Dokumentationslinie im Katalog fällt angenehm auf. Die Grafikerinnen Melanie Schaper und Loana Boppart haben nämlich den Werdegang der Ausstellung «Was bleibt?» im gedruckten Katalog eins zu eins optisch übersetzt. Zum Auftakt der (wachsenden) Ausstellung im Küefer-Martis-Huus wurde zunächst im Dezember das gesamte Haus von zupackenden Besuchern komplett leer geräumt, um eine Atmosphäre der Leere zu schaffen, über die in der Auftaktveranstaltung weidlich diskutiert wurde. In der zweiten Phase war dann die Bevölkerung eingeladen, Dinge mit persönlichen Geschichten ins Haus zu bringen, die katalogisiert und dokumentiert wurden. Fotografisch und textlich wurden dann sowohl das Anwachsen der Sammlung wie auch die Begleitveranstaltungen mit Publikum tagebuchartig festgehalten. Zum Schluss stand die Ausstellung, stand auch die Dokumentation und ergoss sich das Ganze schliesslich in einen Katalog, der sich auf 130 Seiten optisch von wenigen Bildern und Texten (Stichwort «Leere») auf eine stetig wachsende Menge von Bildern und Texten verdichtet und so die Ausstellungsidee nicht nur dokumentiert, sondern auf grafische Art selbst verkörpert. Ein gelungenes Werk, das Lust zum Blättern, Lesen und immer wieder Blättern und Lesen macht.
Zur Finissage der Ausstellung «Was bleibt?» mit Präsentation des Katalogs erschien am Sonntag viel gut gelauntes Publikum, das mit geschmackig gekochtem Rebelbolla-Ribel mit Apfelmus und Oldies-LP-Sound vom Plattenteller verwöhnt wurde. (jm)

Postalisch versendbare Kataloge zur Ausstellung «Was bleibt?» können im Küefer-Martis-Huus per E-Mail (kmh@adon.li) bestellt werden. Ebenfalls liegen die Kataloge am Wanderkiosk im Seitenlichtsaal des Kunstmuseums in Vaduz im Rahmen der dort laufenden Ausstellung «Who Pays?» zum käuflichen Erwerb auf.