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Naturschutzgebiet Ruggeller Riet

Das Ruggeller Riet

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Das Ruggeller Riet, ein Torfgebiet, ist ein ca. 90 Hektar grosses Naturschutzgebiet ganz im Norden von Liechtenstein. Fauna und vor allem Flora bieten dem Naturliebhaber ein herrliches Naturerlebnis. Flachmoore, Weiher, Hecken, Bäume und Streuwiesen bieten vielen gefährdeten Tieren und Pflanzen einen idealen Lebensraum. Sogar der Storch ist wieder eingezogen.

Anziehungspunkt ist aber besonders auch die Blüte der Sibirischen Schwertlilie Ende Mai, Anfang Juni: Grosse Gebiete verwandeln sich in einen blauen Teppich.  Der Auslauf des Binnenkanals in den Rhein wurde renaturiert, und bei der Kanalmündung ist eine Grillstelle im Gebiet Weinbau. Der Rhein mit seinen Kiesbänken und der Rheindamm bieten Ruhe und Erholung, sei es zum Spazieren, Radfahren oder Inline-Skaten. Eine Anbindung an die Radwegnetze von Österreich und der Schweiz besteht zudem.

1978 stellte die Regierung des Fürstentums Liechtenstein eine Fläche von 93,4 Hektar des Ruggeller und Schellenberger Rietes unter Naturschutz. Es ist das grösste von insgesamt elf liechtensteinischen Naturschutzgebieten. Drei weitere Naturschutzflächen liegen in der nahen Umgebung: Schneckenäule, Au und Haslermahd. Auf Vorarlberger Seite befindet sich angrenzend eine Schutzzone von 63 Hektar, wovon 8,7 Hektar streng geschützt sind. Die umfangreichen Forschungsarbeiten und die Bemühungen für die Unterschutzstellung sind hauptsächlich ein Verdienst der 1970 gegründeten Botanisch-Zoologischen Gesellschaft Liechtenstein-Sargans-Werdenberg.


 

Ruggeller Riet und Schneckenäule (17. Oktober 1978)

Seit Gründung der Botanisch-Zoologischen Gesellschaft (BZG) wird das Flachmoor wissenschaftlich untersucht. Die Untersuchungen erbrachten den Nachweis, dass dieser Lebensraum von internationaler Bedeutung ist. Der WWF würde das Gebiet in sein internationales Schutzgebiet aufnehmen. Die liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU) setzt sich für die dringend notwendige Unterschutzstellung ein. Mit Hoval-Lehrlingen konnten 1974 einige Pflegeeingriffe im Riet durchgeführt werden (Jahresbericht 1974).

Aus eigenem Impuls reicht die LGU einen Verordnungsentwurf für das Ruggeller Riet ein (Jahresbericht 1976). Hüttensterben im Ruggeller Riet: Diese Landschaft wird seit dem 12. Jahrundert durch den Schnitt der Streue und das Torfstechen geprägt. Die Torf- und Heuhütten sind Kulturdenkmäler, zerfallen aber zusehends. Waren es 1947 noch 101 Hütten im Schellenberger und Ruggeller Riet, so gab es 1967 noch deren 46. 1978 waren es noch 24, wovon nur noch acht in gutem baulichen Zustand waren. Ein Schwund auf ein Viertel innert 30 Jahren (Juni 1978, Umweltbericht Nr. 1).

Mit der Unterschutzstellung des Ruggeller Riets im Oktober 1978 ist ein seit 1970 betriebenes Anliegen als Voraussetzung für den Erhalt der Streuwiesen in Erfüllung gegangen. Es wird künftig wesentlich davon abhängen, dass dem Inhalt der Bestimmungen auch in der Praxis nachgelebt wird. Das heisst konkret, ob die Streunutzung weiterhin garantiert und die Düngung und Beackerung einzelner Parzellen eingestellt wird (Juni 1979, Umweltbericht Nr. 3). Im Oktober 1979 wurde das Ruggeller Riet unter Schutz gestellt. Die LGU hat eine Kleinbroschüre zum Naturschutzgebiet Ruggeller Riet vorbereitet. Sie zeigt den Wert und die Bedeutung, die Gefährdung und den Schutz auf. Herausgeber ist die Naturschutzkommission. Da die LGU die Vorbereitung auf eigene Kosten übernommen hat, kann sie allen Mitgliedern ein Exemplar kostenlos überlassen (Nov. 1979, Umweltbericht Nr. 4).

Versäumnisse aufgezeigt: Im Ruggeller Riet wird Silomais gepflanzt, Ziegel werden deponiert, ohne Folgen für die Verursacher. Liechtenstein ist 1991 der Ramsar-Konvention beigetreten. Das Naturschutzgebiet Ruggeller Riet soll in die Liste der Ramsar-Schutzobjekte aufgenommen werden (Dez. 1991, LGU-Mitteilungen Nr. 20).